Kurz gefasst: Eine Trafostation aus Beton hat typischerweise 20–30 Wochen Lieferzeit. Eine KAMBI-Station steht 8–10 Wochen nach Freigabe der Planung. Damit ist das Gebäude nicht mehr der Engpass — der liegt 2026 meistens bei der Schaltanlage. Wer sie früh bestellt oder über einen Ausbaupartner mit Lagerbestand bezieht, ist bis zu 20 Wochen früher am Netz.
Die Station ist das letzte Bauteil, das bestellt wird — und das erste, das fehlt
Ein typischer Anruf im Frühjahr: Der Solarpark ist fertig montiert, die Wechselrichter stehen, der Netzbetreiber hat den Anschlusstermin bestätigt. Nur die Übergabestation fehlt. Wer jetzt nachfragt, hört zwei Lieferzeiten — eine für das Gebäude, eine für die Schaltanlage. Beide zu lang, und zusammen entscheiden sie, wie viele Monate eine fertige Anlage keinen Strom verkauft.
Wo bleiben die 20–30 Wochen?
Die 20–30 Wochen sind kein Vorwurf an die Betonfertigteilwerke. Sie ergeben sich aus der Bauweise: Eine Betonstation wird in einer Schalung gegossen und muss aushärten, die Werkskapazität ist durch Schalungen und Auftragsbestand begrenzt, und die Station kann erst nach der Fertigung ausgebaut werden. Dazu kommt die Transportorganisation: Eine große Betonstation bringt 30 bis 40 Tonnen auf die Waage — und die fährt nicht am Tag der Fertigstellung los, sondern wenn Genehmigung, Begleitfahrzeug und Zeitfenster stehen. Und am Aufstellort folgt der Elektroausbau, für den in Beton gebohrt und gedübelt wird.
Warum 8–10 Wochen bei Holz möglich sind
Vier Gründe. Erstens die Fertigung: Brettsperrholz wird bei uns in Saarburg auf CNC-Anlagen zugeschnitten, millimetergenau und ohne Aushärtezeit. Die Kapazität hängt an Maschinenstunden, nicht an Schalungen. Zweitens der Standard: Vordefinierte Katalogstationen mit vorkonfigurierten Größen, Türen, Lüftung und Bedienseiten — was nicht neu konstruiert werden muss, kostet keine Wochen. Drittens die Prüfung: Die KAMBI-Station ist im Verbund mit den Schaltanlagen von vier Herstellern typgeprüft, der Nachweis liegt vor, bevor das Projekt beginnt. Viertens der Ausbau: In Holz wird geschraubt statt gebohrt; unsere Ausbaupartner berichten von rund der Hälfte der Zeit für den Elektroausbau — schwankend von Projekt zu Projekt.
Die 8–10 Wochen gelten ab Freigabe unserer Planung, und sie gelten für die Station selbst. Damit zu dem Teil der Antwort, den ein Stationsbauer nicht so gern ausspricht.
Der eigentliche Engpass 2026: die Schaltanlage
Wer heute eine Trafostation bestellt, wartet in den meisten Projekten nicht auf das Gebäude, sondern auf die Mittelspannungsschaltanlage. Netzausbau, Rechenzentren, Elektromobilität und der Ausstieg aus SF₆ haben die Nachfrage in wenigen Jahren stark steigen lassen, und die Lieferzeiten der Hersteller sind entsprechend lang — häufig länger als jede Stationslieferzeit.
Die Hersteller reagieren. Siemens investiert 300 Millionen Euro in die Schaltanlagenfertigung in Frankfurt und ein neues Zulieferwerk in Offenbach, Baustart Juli 2026, Produktionsstart in Offenbach im Frühjahr 2027 — nach bereits 100 Millionen Euro für das Frankfurter Werk 2024. Ormazabal baut in Krefeld eine neue Deutschlandzentrale mit Fertigungsanteilen. Das entlastet den Markt, aber nicht in diesem Jahr.
Was heute hilft: Einige Stationsausbauer haben Schaltanlagen auf Lager bestellt, um Projekte bedienen zu können, die nicht warten. Wer mit einem solchen Partner arbeitet, bekommt Station und Technik im selben Zeitfenster — dann sind 8–10 Wochen die ganze Wahrheit. Und wo die Schaltanlage länger braucht, dreht sich die Logik um: Die Station wartet auf die Technik, nicht das Projekt auf die Station. Wir terminieren die Fertigung auf den bestätigten Liefertermin der Schaltanlage, die Station ist da, bevor die Technik kommt, und der Ausbau beginnt am Tag der Anlieferung.
Wir können die Schaltanlage nicht schneller machen. Wir können dafür sorgen, dass sie das Einzige ist, worauf ein Projekt wartet. Holger Rieth · Geschäftsführer Holzbau Dawen
Was „bis zu 20 Wochen früher“ im Projekt bedeutet
Ein Solarpark speist fünf Monate früher ein. Ein Ladepark eröffnet vor der Saison statt danach. Eine Werkserweiterung geht in Betrieb, wenn die Produktion sie braucht, nicht ein halbes Jahr später. Und ein Netzbetreiber, der eine ausgefallene Station ersetzen muss, hat eine Option, die nicht in Halbjahren rechnet. Was fünf Monate früher am Netz in Euro wert sind, rechnen wir in einem eigenen Beitrag vor — mit offenen Annahmen, damit Sie Ihre eigenen Zahlen einsetzen können.
Was das für Ihr Projekt heißt
Wenn Sie als Netzbetreiber planen, ist das Gebäude kein Grund mehr, den Anschlusstermin zu schieben — die Schaltanlage bestellen Sie zuerst, die Station folgt. Wenn Sie als Projektierer den Netzanschluss zugesagt bekommen haben, sichern Sie die Technik und legen die Station auf deren Liefertermin. Und wenn Sie eine Ausschreibung vorbereiten, gehören zwei Lieferzeiten als Kriterium hinein — die der Station ab Planungsfreigabe und die der Schaltanlage —, nicht nur der Stationspreis.
Häufige Fragen
Was heißt „technische Klärung“?
Die Freigabe unserer Planung durch Sie. Wir planen die Station für Ihr Projekt, Sie geben die Planung frei — ab diesem Tag laufen die 8–10 Wochen. Für ein Angebot davor brauchen wir deutlich weniger: eine Anfrage über unseren Konfigurator — in 10 Minuten erledigt, gern unterstützen wir Sie dabei.
Was ist, wenn die Schaltanlage länger braucht als die Station?
Dann terminieren wir die Fertigung auf den bestätigten Liefertermin der Schaltanlage. Die Station wartet auf die Technik — nicht das Projekt auf die Station. Ausbaupartner mit Lagerbestand verkürzen die Wartezeit auf die Technik.
Gilt die Lieferzeit auch für große Stationen?
Einteilig liefern wir bis 12 m Stationslänge. Bei größeren Stationen wird der Betonkeller vor Ort erstellt, die Wandelemente werden geliefert und am Standort montiert.
Quellen & Einordnung: Lieferzeit KAMBI-Station 8–10 Wochen ab Freigabe der Planung, Betonstation 20–30 Wochen — Erfahrungswerte aus Angebotsvergleichen in eigenen Projekten, keine Marktstatistik. Siemens: 300 Mio. € für Fertigungskapazitäten in Frankfurt und Offenbach, Baustart Juli 2026, Produktionsstart Offenbach Frühjahr 2027, 700 Arbeitsplätze bis 2030 (Siemens AG, Pressemitteilung 01.07.2026); zuvor 100 Mio. € für das Schaltanlagenwerk Frankfurt, SF₆-freie Anlagen, Produktion ab 2025 (Siemens AG, Pressemitteilung 13.06.2024). Ormazabal: neue Zentrale für Deutschland sowie Zentral- und Osteuropa in Krefeld mit „industriellen Fertigungsanteilen“, ohne Angabe von Summe und Termin (ormazabal.com). Die Angaben zu Ausbauzeiten stammen von unseren Ausbaupartnern und schwanken von Projekt zu Projekt. Stand: 14.09.2026.
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