Kurz gefasst: Für das Tragwerk der KAMBI-Station – Wände, Zwischenboden und Dach – setzt die Nutzungsdauertabelle des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) mindestens 50 Jahre an, ohne Ersatz im Betrachtungszeitraum. Für eine Wand aus Stahlbeton gilt derselbe Wert. Ersetzt werden in 50 Jahren nur Verschleißteile wie Dachabdichtung, Schlösser und Türdichtungen – bei einer Betonstation mit abgedichtetem Dach genauso.

Die Antwort steht in einer Tabelle des Bundes

Wer eine Trafostation beschafft, plant sie für Jahrzehnte. Bei Holz liegt die Frage nahe, ob es so lange hält wie Beton. Eine neutrale Antwort darauf gibt die Nutzungsdauertabelle des BBSR. Sie liefert die Eingangswerte für Lebenszykluskosten und Ökobilanzen im Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) und gibt für jedes Bauteil an, wie oft es in einem Betrachtungszeitraum von 50 Jahren ersetzt werden muss.

Für tragende Holzwände – die Tabelle nennt ausdrücklich auch die Massivholzbauweise – setzt sie mindestens 50 Jahre an, für eine Wand aus Stahlbeton ebenfalls. Beim Tragwerk sind Holz und Beton damit gleich eingestuft. „≥ 50 Jahre“ heißt: Das Bauteil muss im gesamten Betrachtungszeitraum nicht ersetzt werden.

Zur Einordnung: Die BBSR-Werte sind angenommene mittlere Nutzungsdauern aus Literatur und Erfahrung, keine Garantie- oder Gewährleistungsaussage für ein einzelnes Bauwerk. Einbausituation, Klima und Instandhaltung bildet die Tabelle nicht ab. Ob ein Bauteil die Werte erreicht, entscheidet die Ausführung – bei Holz vor allem, ob es trocken bleibt.

Nutzungsdauern der Bauteile im Überblick

Die Tabelle zeigt die Bauteile der KAMBI-Station mit naturbelassener Holzfassade und die Werte nach BBSR, Stand 13.03.2026. Über die Codes lassen sich die Werte direkt in der Tabelle des BBSR nachschlagen, etwa für eine eigene Lebenszyklusbetrachtung.

Bauteil · BBSR-Code Ausführung KAMBI-Station Nutzungsdauer
Tragende Wände331.113.25Brettsperrholz 100 mm, fünflagig≥ 50 J. · kein Ersatz
Zum Vergleich: Betonwand331.112.25Stahlbeton≥ 50 J. · kein Ersatz
Dach (Tragwerk)361.114.25Brettsperrholz 120 mm≥ 50 J. · kein Ersatz
Zwischenboden351.114.25Brettsperrholz, Verkehrslast statisch nachgewiesen≥ 50 J. · kein Ersatz
Fassade335.712.25Holz unbehandelt, hinterlüftet, nach Fachregel 01, lotrechte Leisten 40 × 60 mm≥ 50 J. · kein Ersatz
Türen334.115.25Metall, im Werk eingebaut≥ 50 J. · kein Ersatz
Schlösser, Panikverschluss334.313.25Paniktürschloss30 J. · 1 × Ersatz
Türdichtungen334.318.25Dichtungsprofile20 J. · 2 × Ersatz
Dachabdichtung363.114.25Kunststoffbahn 1,5 mm, vlieskaschiert, verklebt30 J. · 1 × Ersatz
Betonkeller331.112.25 · 322.112.25Stahlbeton, Wände und Bodenplatte≥ 50 J. · kein Ersatz

Ersetzt werden in 50 Jahren nur Verschleißteile: Dachabdichtung und Schlösser einmal, Türdichtungen zweimal. Diese Werte hängen nicht vom Material der Station ab – sie gelten genauso für eine Betonstation mit abgedichtetem Dach.

Warum Holz so lange hält: Es bleibt trocken

Holz altert nicht einfach mit der Zeit. Schaden nimmt es, wenn es über längere Zeit feucht ist. Als trocken gilt im baulichen Holzschutz nach DIN 68800 eine Holzfeuchte von höchstens 20 %; erst wenn Holz längerfristig feuchter ist, entsteht ein Risiko durch holzzerstörende Pilze. Die KAMBI-Station ist so gebaut, dass das Tragwerk trocken bleibt – auf vier Wegen.

  1. Trocken eingebaut. Die Brettsperrholz-Elemente werden technisch getrocknet und im Werk unter Dach vorgefertigt. Sie kommen trocken auf die Baustelle.
  2. Vor Wetter geschützt. Regen und Sonne treffen nur die hinterlüftete Fassade. Das tragende Holz dahinter wird nie bewittert.
  3. Kein Erdkontakt. Die Holzwand steht 15 cm über Gelände auf dem Betonkeller. Sockelabdichtung und Alu-Verbundplatte schützen den Übergang.
  4. Trockenes Raumklima. Im Betrieb hält die Abwärme von Trafo und Schaltanlage den Innenraum trocken. Holz nimmt Feuchtespitzen auf und gibt sie langsam wieder ab.
Sockeldetail der KAMBI-Station im Schnitt Schematischer Schnitt: Die Wand aus Brettsperrholz steht außenbündig auf dem Betonkeller, 15 cm über Gelände. Außen liegen eine schwarze Fassadenbahn, die Hinterlüftung und die Holzfassade. Den Übergang zum Keller decken Sockelabdichtung und Alu-Verbundplatte ab, die Holzfassade überlappt sie. INNEN AUSSEN Gelände 15 cm Wetterhaut Holzfassade, austauschbar Fassadenbahn, schwarz Hinterlüftung Alu-Verbundplatte 3 mm Sockelabdichtung Tragwerk Brettsperrholz 100 mm, trocken & geschützt Betonkeller Wand 120 mm
Sockeldetail im Schnitt, schematisch: Die Holzwand steht außenbündig auf dem Betonkeller, 15 cm über Gelände. Auf dem Holz liegt eine schwarze Fassadenbahn. Den Übergang decken Sockelabdichtung und Alu-Verbundplatte ab, die Holzfassade überlappt sie.

Der eigentliche Unterschied: Wetterhaut und Tragwerk sind getrennt

Bei einer Betonstation ist die Außenwand Tragwerk und Wetterschutz zugleich. Bei der KAMBI-Station sind beide Aufgaben getrennt. Witterung trifft nur die Fassade, und die lässt sich Leiste für Leiste erneuern, ohne das Tragwerk anzufassen.

Auch die Fassade selbst stuft das BBSR mit mindestens 50 Jahren ein – unter einer Bedingung: unbehandeltes Holz, ausgeführt nach der Fachregel 01 des Zimmererhandwerks „Außenwandbekleidungen aus Holz“. Ohne diese Fachregel setzt die Tabelle für unbehandeltes Nadelholz nur 30 Jahre an. Die naturbelassene KAMBI-Holzfassade wird nach dieser Fachregel ausgeführt und braucht keinen Anstrich. Anders bei einer lasierten Fassade, etwa in der dunklen Variante: Für Holzlasuren setzt das BBSR 12 Jahre an, die Lasur muss also etwa alle 12 Jahre erneuert werden. Für Putz- oder Plattenfassaden führt die Tabelle eigene Zeilen, teils mit kürzeren Nutzungsdauern.

Dieselbe Hinterlüftung hält im Sommer die Sonnenwärme von der tragenden Wand fern – mehr dazu im Beitrag zum sommerlichen Hitzeschutz.

Holz im Stromnetz ist nichts Neues

Netzbetreiber kennen Holz aus der Freileitung. Imprägnierte Holzmaste erreichen im Schnitt rund 30 Jahre Nutzungsdauer – im Erdreich, rundum bewittert und nass. Das ist eine der härtesten Beanspruchungen für Holz. Das Tragwerk der KAMBI-Station hat es deutlich leichter: Es steht trocken, ohne Erdkontakt und hinter einer Wetterhaut.

Wie lange geschütztes Holz halten kann, zeigt die Stabkirche von Urnes in Norwegen. Sie wurde um 1130 gebaut, steht bis heute und ist seit 1979 UNESCO-Welterbe.

Was Sie bei der Begehung prüfen – und was nicht

Bei der Begehung prüfen

  • Fassade: Leisten fest, keine dauerhaft nassen Stellen im Sockelbereich
  • Dach: Abdichtung intakt, Entwässerung frei
  • Türen und Gitter: Dichtungen, Schloss, Funktion
  • Umfeld: kein Erdreich, Laub oder Bewuchs an der Fassade

Was Sie nicht tun müssen

  • Kein Anstrich: Die naturbelassene Holzfassade bleibt unbehandelt.
  • Kein chemischer Holzschutz: Das Holz wird allein durch die Bauweise geschützt.
  • Kein Austausch des Tragwerks im Betrachtungszeitraum von 50 Jahren – die BBSR-Tabelle sieht dafür keinen Austauschzyklus vor.

Häufige Fragen

Wird das Holz grau?

Ja. Unbehandeltes Holz vergraut an der Oberfläche durch UV-Licht. Das ist rein optisch, die Festigkeit bleibt erhalten.

Was ist mit Insekten?

DIN 68800-2 nennt die Verwendung von Brettsperrholz mit einer Holzfeuchte von höchstens 20 % ausdrücklich als vorbeugende Maßnahme gegen Insektenbefall. Das Holz wird technisch getrocknet, nach DIN 68800 also mindestens 48 Stunden bei mindestens 55 °C, und trocken eingebaut. Ein Bauschaden durch Insekten gilt damit als nahezu ausgeschlossen.

Was passiert nach der Nutzung?

Die vorgefertigte Station lässt sich in der Regel versetzen oder sortenrein rückbauen. Das Holz kann wiederverwendet oder wiederverwertet werden; bis dahin bleibt das darin gespeicherte CO₂ gebunden. Wie sich das in der Klimabilanz niederschlägt, steht im Beitrag zur CO₂-Bilanz im Stationsbau.

Quellen & Einordnung: Nutzungsdauern nach BBSR – Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung, „BNB Nutzungsdauern von Bauteilen“, Stand 13.03.2026, nachhaltigesbauen.de; Austauschzyklen bei einem Bilanzierungszeitraum von 50 Jahren. Verwendete Zeilen: 331.113.25 Holzwand (u. a. Massivholzbauweise), 331.112.25 Betonwand, 322.112.25 Bodenplatte, 361.114.25 Flach und flach geneigtes Dach in Holzbauweise, 351.114.25 Holzdecken, 335.712.25 Holz unbehandelt unter Beachtung der Fachregel FR01 des Zimmererhandwerks, 335.713.25 Nadelholz unbehandelt, 335.216.25 Holzlasuren, 334.115.25 Standardtüren Metall, 334.313.25 Türschlösser und Panikverschlüsse, 334.318.25 Dichtungsprofile, 363.114.25 Kunststoff- und Elastomerbahnen nicht genutzter Dächer (Dicke und Gefälle nach DIN 18531-3, Tab. 2). Laut BBSR sind die Werte angenommene mittlere Nutzungsdauern aus Literatur und Expertenerfahrung; verbindliche Aussagen etwa zu Gewährleistungen lassen sich daraus nicht ableiten. Betrachtungszeitraum 50 Jahre: BNB, Allgemeine Vorbemerkungen, Stand 01.03.2017. Fachregel 01 des Zimmererhandwerks „Außenwandbekleidungen aus Holz“, Holzbau Deutschland, 3. korrigierte Auflage, März 2023. Holzschutz: DIN 68800-1:2019-06 Holzschutz – Allgemeines; DIN 68800-2:2022-02 Holzschutz – Vorbeugende bauliche Maßnahmen im Hochbau; Feuchtegrenze 20 %, technische Trocknung (mindestens 48 h bei mindestens 55 °C) und Maßnahmen gegen Insekten nach holzbau handbuch Reihe 5 Teil 2 Folge 2 „Holzschutz – Bauliche Maßnahmen“, Holzbau Deutschland-Institut, 01/2023. Holzmaste: Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE (FNN), Technischer Hinweis „Imprägnierte Holzmaste“, 6. Ausgabe, Oktober 2011 – durchschnittlich 30 Jahre bei Masten mit Zusatzschutz im Erd-Luft-Bereich. Stabkirche Urnes: UNESCO-Welterbe seit 1979 (Riksantikvaren); Bau dendrochronologisch auf 1129/30 datiert (NTNU, 2019). Angaben zur Konstruktion der KAMBI-Station: Holzbau Dawen GmbH. Stand: 13.10.2026.

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